Chorproben Online 2.0

Der Chorleiter des Jazzchors, Michael Blessing sitzt

Zoom-Chorproben während der Pandemie: Mikro aus und allein auf eine Tonspur trällern! Das ist natürlich eine Möglichkeit, um das Repertoire halbwegs in Erinnerung zu behalten, die Essenz vom gemeinsamen Singen geht dabei aber völlig verloren. So muss es aber nicht ablaufen. Der Jazzchor Dresden zeigt, dass es auch anders gehen kann.
Dass dieser Chor auf innovative Probekonzepte setzt und äußerst anpassungsfähig ist, konnte ich bereits bei meinem Besuch der Online-Probe im Frühjahr 2020 feststellen. Als die Inzidenzen es im letzten Jahr erlaubt haben, konnte der Jazzchor sogar mit eigens entwickelten Sing-Masken musizieren.
Mit der kühleren Jahreszeit musste der Chor jedoch wieder auf das Online-Format zurückgreifen. Natürlich könnte man angesichts der zahlreichen Video-Konferenzen, die das Home-Office mit sich bringt, die Nase rümpfen. Beim Jazzchor kommt während der Probe aber wohl kaum Langeweile auf. Schließlich arbeiten die Mitglieder mit einem neuen Konzept an ihren musikalischen Fähigkeiten – eine upgedatete Chorproben-Version also.

Besonders zentral ist nach wie vor die Zoom-Funktion der Breakout Sessions. Dadurch können die Sänger:innen selbst entscheiden, in welchem Bereich sie üben wollen: Es gibt virtuelle Räume zur individuellen Pflege und Sound-Aufnahme von Repertoire-Stücken, aber auch andere Angebote, um sich stimmlich und musikalisch weiterentwickeln zu können. Der Clou dabei: Die Anleitung dieser Räume wird von einzelnen Chormitgliedern übernommen. Es gilt das Motto: Voneinander miteinander lernen. Der demokratische und partizipative Ansatz verteilt die Chorarbeit auf mehrere Schultern. Michael, der Chorleiter, sagt dazu: “Ganz im Sinne des Intelligent Choir sind alle für das Gelingen des Probenprozesses verantwortlich. Die Sängerinnen und Sänger können selbst zur gestaltenden Person werden. Das Einsingen übernehmen einzelne Chormitglieder. Meine Aufgabe als Chorleiter ist dabei die fachliche Begleitung, Beratung und Strukturierung, aber auch das Schaffen weiterer musikalischer Weiterbildungsangebote.”
Sicherlich wird neben der Erweiterung musikalischer Kenntnisse dadurch eine tiefere Vertrauensbasis zwischen den Sänger:innen geschaffen, die ebenfalls zur Qualität beiträgt.
Dass der Zusammenhalt im Jazzchor Dresden groß ist, hat sich auch bei einer spontanen Keks-Aktion anlässlich des neunten Chorgeburtstages gezeigt. Dabei haben Chorleiter Michael und Sänger:in Maike vor bzw. während einer Zoom-Chorprobe Kekse gebacken, indem sie beim Einsingen geschickt mal eben die Kamera ausgeschaltet haben. Die ganze Nacht haben die beiden geschnitten, gebastelt, gestempelt, geklebt. Darauf folgte eine gemeinsame zwei-Tages-Aktion: Die Kekse wurden persönlich bei den in und um Dresden verstreut wohnenden Chormitgliedern abgeliefert.

Als Franzi die Kekse bekam, haben die beiden sogar geklingelt. Sie verrät: „Wir haben uns alle riesig gefreut. Als die bei mir vor der Türe standen, war ich so gerührt, dass ich auch eine kleine Träne verdrückt habe.“

Wie emotional wird es dann wohl anlässlich des zehnten Jubiläums im nächsten Jahr werden? Schließlich ist etwas ganz Besonderes geplant: Ein gesamtes Programm, das sich nur aus für den Jazzchor sonderangefertigten Song-Versionen zusammensetzt. Die Arrangements wurden von namhaften Künstler:innen der A capella Szene aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland angefertigt. Dazu gehören beispielsweise Daniel Barke (Leipzig/Deutschland – VOXID), Tine Fris-Ronsfeld (Aarhus, Dänemark – Postyr; Vocal Line) und Merel Martens (Niederlande; Pitch Control, MAZE). Durch die Online-Proben können diese Künstler:innen nun ganz unkompliziert „vorbeikommen“, ihre Arrangements vorstellen und einige Tipps geben.

Ebenso erwähnenswert ist, dass sogar ein Stück von Karoline Weidt, der Stimmbildnerin des Chors stammt. Ihr Song „I´ve got a friend in me“ ist im März letzten Jahres entstanden.

Michael war von diesem Lied so begeistert, dass er Karoline gefragt hat, ob der Jazzchor es nicht singen könnte. Inzwischen ist das von Daniel Barke (VOXID) erstellte Arrangement fertig und wird demnächst einstudiert.

Wir können uns also garantiert auf ein sehr persönliches und abwechslungsreiches Programm bei den hoffentlich bald anstehenden Jazzchor-Konzerten freuen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann ja auch Kekse für das Publikum!

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