Deftige Beats aus Töpfen und Pfannen

Mal alle Töpfe und Pfannen aus den Schränken holen und einfach drauf los trommeln kann ja Jede*r. Wenn es aber darum geht, das eigene Schlagzeugsolo mit diversen Wirblen, Fills & Co. zu versetzen und trotzdem einen einigermaßen konstanten Grundrhythmus beizubehalten, wird es zum Leidwesen der Nachbarschaft schnell schwieriger.

Multi-Tasking will eben geübt sein. Schon allein deshalb sind Schlagzeuger*innen beeindruckend anzuhören und -zusehen. Das finden auch die Leipziger*innen und bleiben gern in einer großen Traube versammelt stehen, wenn der aus Polen stammende Wac auf seinen Küchenutensilien so richtig loslegt.

Die meisten Utensilien hat Wac auf Flohmärkten, auf der Straße oder auf dem Schrottplatz gefunden.

Wac sei schon immer an Musik interessiert gewesen. Er berichtet aber, dass er gar nicht wisse, wo diese Begeisterung herkommt. In seiner Familie gebe es jedenfalls keine Musiker. Sein erstes E-Drum-Set habe er erst spät bekommen und vorher bei jeder Möglichkeit mit der Ausrüstung von anderen Leuten geübt. Vor der Straßenmusik war er Mitglied in verschiedenen Bands unterschiedlichster Genres: Von Metal über Punk, Ska, Rock, Hip-Hop, bis New Wave. Vor gut zwei Jahren wurde er dazu inspiriert, es mal mit Straßenmusik zu versuchen.
Der 22-Jährige hat ein paar Töpfe genommen und begonnen, zu improvisieren. Wenn er spielt, habe er zwar einige Lieblingspatterns, folge aber meistens seiner Intuition, verrät er. Der Schlagzeuger spiele auch gern mit anderen Musiker*innen. Er gesteht zwar, dass er dafür meist zu laut oder zu schnell sei, mit ein paar Kompromissen werde aber alles möglich.
Abseits der Fußgängerzone habe er auch Spaß, mit elektronischen Klängen zu experimentieren. Er verkündet, dass für ihn Musik die beste Sache der Welt sei. Wac liebt, was er tut.

Inzwischen war er schon in den verschiedensten Ländern Europas unterwegs. Die Tätigkeit als Straßenkünstler ermöglicht ihm eine große Unabhängigkeit von Zeit und Ort und somit viel Freiheit.
Besonders gefalle ihm aber Deutschland, meint er. Vor allem in Ostdeutschland mögen die Leute Straßenmusik und immer wieder ergeben sich spontane Gespräche, da die Menschen sehr kontaktfreudig seien. Gleichzeitig fallen die Regelungen für Straßenmusiker verhältnismäßig liberal aus (mehr dazu im letzten Pflasterkultur-Beitrag).

Wac findet Leipzig großartig. Das liege vor allem an der Offenheit der Menschen, der Lebendigkeit der Stadt, den linken Tendenzen. Es gebe viele interessante Leute und Orte, weil Leipzig nicht so brav und langweilig wie Reiche-Leute-Städte daherkomme.
Trotzdem möchte er noch weitere Länder mit seinen Töpfen und Pfannen bereisen: „The world is a huge place with a lot of beautiful people to meet and stuff to see.“, schwärmt Wac.
Dabei sei für ihn Trampen der absolute Favorit der Reisearten, weil man viel für das Leben lernen könne und es immer neue Abenteuer zu erleben und Geschichten zu erzählen gebe.

Andere einzigartige Momente entstehen für ihn, wenn Kinder zu seiner Musik tanzen oder versuchen, mitzuspielen. Ebenso erfülle es ihn, wenn Erwachsene stehen bleiben, innehalten, den Wahnsinn des Stadtalltages vergessen und dem Kaufrausch wenigstens kurz widerstehen.

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