Mit dem Xylophon in die Fußgängerzone

Wer in Leipzig lebt und hin und wieder durch die Innenstadt schlendert, wird ihn schon mal gesehen haben: Den Marimbaspieler aus der Grimmaischen Straße. Wenn er nicht durch sein Instrument auffällt, dann spätestens, wenn es anfängt, zu dämmern. Erst dann kommt sein Markenzeichen, die leuchtende Fliege, richtig zur Geltung. Sein Repertoire umfasst ältere und aktuelle Hits von Größen wie Ed Sheeran, Coldplay, Abba und Linkin Park, deren Songs jeder im Ohr hat. So geht man beim Bummel durch Leipzig auch an graueren Tagen zum vergnügten Mitsummen über.

Hinter dem Straßenmusiker steckt der 18-jährige Martin Rihards, der eigentlich in Lettlands Hauptstadt Riga lebt. Seit acht Jahren ist das Marimbaspielen nun schon sein Hobby und seine große Passion. Warum er so gern Straßenmusik macht? Auf meine Nachfrage entgegnet er: „Ich kann spielen wann ich will und es gibt keine Person, die mir etwas vorschreibt.“ Außerdem könne er sich ein bisschen extra-Taschengeld dazuverdienen, das er am liebsten zur Finanzierung von Reisen nutze. „Mein Traumreiseziel ist Australien.“, berichtet er. Den Hashtag „MarimbaAcrossTheWorld“ kann man auf seinem Instagramprofil kaum übersehen.

Einen andereren Teil des Hutgeldes investiere er aber in seine persönliche Weiterentwicklung, erzählt er mir. Dennoch strebe er keine Karriere als professioneller Musiker an, sondern wolle nach dem Abi ein Business-Studium in den USA aufnehmen. Bis dahin habe er aber noch zwei Jahre Online-Schule vor sich.

Das erste Mal sei Martin mit 16 Jahren in seiner Heimatstadt aufgetreten, habe aber dieses Jahr Leipzig als seinen Lieblingsort für Straßenmusik entdeckt. Besonders schätze er die Atmosphäre der Stadt und deren Leute. Positiv erwähnt er auch die Straßenmusikregelungen, die in der Messestadt besonders liberal gestaltet seien.

Abgesehen von einigen Einschränkungen bezüglich Verstärkern und Ruhezeiten kann man in Leipzig erlaubnisfrei musizieren. Man muss aber seinen Auftrittsort aller 30 Minuten um 200 Meter verlagern. Vergleicht man diese Regelungen beispielsweise mit Dresden, ist Leipzig für Straßenmusiker*innen der wesentlich einladendere Spot.
In Elb-Florenz muss man sich erst durch einen Katalog von Einschränkungen kämpfen und eine Spielerlaubnis beantragen. Nach Erhalt dieser Zustimmung darf man sich in bestimmten Spielbereichen aufhalten, wo jeweils von der halben zur vollen Stunde gespielt werden darf. In der Hauptsaison gelten zudem noch diverse Sonderregelungen.

Da ist es doch nur verständlich, dass man schnell die Lust an der eigenen Open-Air-Darbietung verliert und lieber im stillen Kämmerlein bleibt. Oder aber, man entscheidet sich einfach für eine Stadt wie Leipzig, die auf diesen Wirrwarr verzichtet.

Hier hat man verstanden, dass Straßenmusik eher als Bereicherung des Alltags, statt als Belästigung angesehen werden sollte.

Für Martin Rihards ist das auf jeden Fall einer der Gründe, wiederzukommen. Spätestens ab Mai 2020, so sagt er, werden wir ihn erneut in der Leipziger Fußgängerzone begrüßen können.

8 Kommentare

  1. „Hier hat man verstanden, dass Straßenmusik eher als Bereicherung des Alltags, statt als Belästigung angesehen werden sollte.“
    Sicherlich eher kein Bock auf den Papierkram bzw abarbeiten der Anträge. Es ist sicherlich keine Bereicherung, wenn sie dies vier bisfünf Mal täglich hören müssen. Viele Anlieger fühlen sich zu 100% vom ihm belästigt.

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    1. Hallo,
      gut möglich, dass die Einsparungen in der Bürokratie auch ein Grund sind. Andererseits ist das auch wieder für Leipziger*innen erstrebenswert, weil dadurch unnötig hervorgerufene Wartezeiten (die aufgrund der aktuellen Lage zwar entfallen) vermieden werden können.
      Für die Straßenmusiker*innen erleichtert das auf jeden Fall das Auftreten in der Stadt. Schade, dass Sie mit dem Thema eher Negatives verbinden und sich belästigt fühlen. Da ich mich nicht in Ihrer Position/ Lage befinde, fällt es mir schwer, mich in diese Perspektive hineinzuversetzen. Ich finde, dass Leipzig durch diese Künstler*innen sehr an Belebtheit und Charme gewinnt.

      Viele Grüße
      Lilli alias Kulturklette

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  2. Ich erlebe martin rihards seit einigen Wochen öfters in Frankfurt auf der Zeil . Ich mag das Instrument, ich mag sein Spiel und falls er den Kommentar liest: he looks like my son.
    Freue mich auf das nächste zuhören.

    Gefällt 1 Person

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