Was hätte August wohl gesagt?

Zunächst ein Wissenstest für alle Dresdenkenner*innen oder alle, die sich so nennen: Wer war die Ehefrau unseres Kurfürsten August dem Starken?

Na? Schweigen im Walde? Keine Sorge, die Auflösung findest du am Ende des Artikels.

Die folgende Frage sollte aber ein Klacks sein: Wie hieß seine bekannteste Mätresse?

Hier müssten die meisten sofort mit „Gräfin Cosel!“ antworten können.
Das ist aber kein Wunder: In Dresden muss man sich nur an die Elbe stellen und sieht mit etwas Glück das nach ihr benannte Salonschiff vorbeituckern. Oder aber man hat schon einmal im Coselpalais gespeist. Sogar ein Fitnessstudio für Frauen, das ihren Namen trägt, findet man im Stadtteil Laubegast. Allerspätestens beim Besuch der Burg Stolpen trifft man unweigerlich auf diese bekannte Persönlichkeit.

Dorthin wurde sie ab 1716 vom sächsischen Kurfürsten verbannt, wo sie bis zu ihrem Tod 49 Jahre verbrachte. Der Grund war wohl ihre zu starke Einmischung in die Politik Augusts, vor allem was die polnische Krone anging.

Nun widmet ihr das Boulevartheaters anlässlich seines fünften Jubiläums ein Musical.
„Barock me, Gräfin Cosel“ unter der Regie von Olaf Becker ist die 20. Eigenproduktion des Volkstheaters. Die Inszenierung schließt sich dem Motto: #1719 reloaded an, das 2019 anlässlich des 300. Jubliläums der Planetenfeste Augusts des Starken zur Vermählung seines Sohnes Friedrich August mit der Kaisertochter Josepha ins Leben gerufen wurde.

Im Musical befindet sich die Theaterkompagnie „Circo Fantasico“ mitten in den Proben für ein Stück über die Geschichte der Mätresse. Weder Luise (Stefanie Bock), die als Gräfin Cosel für eine andere Darstellerin einspringen soll, noch der Rest des Ensembles ahnt zu diesem Zeitpunkt das tragische Schicksal der Mätresse.

Ein „total perrücktes Musical“ verspricht das Boulevardtheater und hält das -was die Kostüme angeht- auch ein.
(von links nach rechts: Alexander Wilbert als Frieder, Stefanie Bock als Gräfin Cosel, Laura Mann als Isabelle, Oliver Morschel als August der Starke, Karina Schwarz als Maria)

Zudem sind die Theaterleute mit anderen Dingen beschäftigt: Luise und ihr Bühnenpartner Anton (Oliver Morschel), der den Kurfürsten verkörpern soll, verlieben sich ineinander, während sich Schauspielkollege Frieder (Alexander Wilbert) nach einer Möglichkeit sehnt, in Dresden seine Qualitäten im Liebesleben unter Beweis zu stellen. Zwischendurch werden ihre Proben durch den Freiherrn von Bockelwitz (Manuel-Krstanovic) unterbrochen, der sich später als Luises Vater herausstellt und gleichzeitig die Rolle des Antagonisten übernimmt. Durch Intrigen möchte er seine Tochter als neue Mätresse am Hof etablieren, die ihrerseits aber nur Augen für Anton und die Schauspielerei hat. Nur dank eines Medaillons, das das Ensemblemitglied Maria (Karina Schwarz) als ehemalige Kammerzofe von der echten Gräfin Cosel an Luise weitergibt, kann sie sich und ihre Theatergruppe vor ihrem machtgierigen Vater retten. In einer Hochzeit zwischen Cosel und August lassen sie ihre Vorstellung enden, zu der es in Wirklichkeit nie gekommen ist.

Dies lässt bereits vermuten, dass es bei einem eher seichten Abend bleibt, der alle Musical-Klischee-Themen von Liebeskommödie über Familiendrama auffährt. Diesen Kritikpunkt nimmt der Theaterdirektor Francesco (Claudio Maniscalo) selbstironisch vorweg: Er sehne sich nach dem guten italienischen Theater und habe das Boulevardtheater satt. Immerhin kann man im Stück durchaus einen gewissen Bezug zur MeToo-Debatte erahnen, als Anton als August bei der Kussszene mit der Gräfin Cosel das Regiebuch etwas intimer auslegt.

Außerdem gibt es einige Momente, in denen man dank der Spielfreude des 7-köpfigen Ensembles über den flachen Inhalt hinwegsehen kann. Allerdings reicht wohl selbst das größte Schauspieltalent nicht aus, um teils gestelzte Pointen zu kompensieren. Meist handelt es sich dabei um Wortwitze, die an den Haaren herbei gezogen erscheinen und daher albern daherkommen.

Dafür punktet das Stück durch viele örtliche Bezüge, die vor allem auf das Stammpublikum gut zugeschnitten sind.

Auch von Marlis Knoblauchs Bühnenbild mit barocken Kostümen und Feuerwerk bekommen die Zuschauer etwas geboten. Das hätte sicherlich auch dem sächsischen Kurfürsten gefallen.

Die Musik lässt einige Wünsche offen. Dies ist einerseits der Tatsache geschuldet, dass die musikalische Begleitung zu Andreas Goldmanns Songs nur von der Konserve gespielt wird. Eine Band würde sicherlich für mehr Stimmung sorgen.

Andererseits wird bis auf einzelne Lieder wie im von Isabelle (Laura Mann) dargebotenen „Alles nur Geschäft“ die Musik oft Mittel zum Zweck. Hinzu kommt, dass die Texte an vielen Stellen zusammengeschustert wirken.

Positiv heben sich dafür die Singenden ab, die es schaffen, die Vorstellung musikalisch sehr aufzuwerten. Entsprechend großzügig fällt am Ende der Applaus des Publikums aus.

Würde man das Stück bei Hofe zu Zeiten August des Starken präsentieren, wäre das Publikum wohl ohne Frage tief beeindruckt. Für heutige Musicalansprüche bleibt es leider bei einem inhaltlich und musikalisch recht oberflächlichen Stück mit Luft nach oben.

Nun noch die Auflösung zur Ausgangsfrage: Die Ehefrau Augusts war Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth.

Wer sich sein eigenes Bild machen möchte, findet weitere Informationen und Karten unter: https://boulevardtheater.de/produktion/barock-me-graefin-cosel.html

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