Frisch, frech, freudestrahlend

Diese drei Wörter beschreiben die französische ZAZ zu ihrem gestrigen Konzertabend in der Jungen Garde Dresden wohl am treffendsten. Schon nach wenigen Sekunden auf der Bühne reißt die Sängerin die Dresdner von den Sitzen.

Das letzte Mal war die Französin vor zwei Jahren im Dresdner Freilichttheater. Nun ist sie zurückgekommen, um ihr neues Album „Effet Miroir“ vorzustellen. ZAZ, die sich im echten Leben Isabell Geffroy nennt, gelang der Durchbruch 2010 mit der Single „Je veux“ nachdem sie vorher in Bordeaux Musik studiert und mit verschiedenen Bands ihr Glück versucht hat. Inzwischen kann sie auf vier nicht nur in ihrem Heimatland erfolgreiche Studioalben zurückblicken.

Im schwarzen, aber in allen Farben schillernden Kleid kommt die 39-Jährige regelrecht auf die Bühne gehüpft. Mit ihrer Energie steckt sie auch die hintersten Reihen des restlos ausverkauften Konzertplatzes an. Ihre quirlig – selbstsichere Ausstrahlung kommt an. Die Stimmung ist ausgelassen, immer wieder animiert ZAZ die Leute zum Mitsingen, -klatschen, oder -tanzen, die die Einladung gern annehmen.

Den ganzen Abend blieb es schwierig, ein Foto des nahezu durchgehend tanzenden Energiebündels zu schießen, das nicht verwackelt war.

Dennoch lässt sie zwischendurch auch immer wieder leisere Töne zu und erinnert in ihren Ansprachen die Zuschauenden beispielsweise an ihre Träume und Hoffnungen.

„Si on n’a plus de rêve on n’a plus d’humanité.“

– „Wenn man keinen Traum mehr hat, hat man keine Menschlichkeit mehr.“

„Heute Abend möchte ich euch einladen, euch an einen eurer Träume zu erinnern, denn das ist wichtig.“

Eigentlich spricht die Künstlerin selbst kaum ein Wort unserer Sprache. Deshalb lässt sie es sich aber nicht nehmen, ihre wichtigsten Anliegen auf Deutsch vorzulesen. Den Mut hat nicht jeder. Dafür wird sie nach jedem Satz mit schallendem Applaus belohnt.

Auch soziales Engagement ist der Sängerin wichtig. Etwa nach der Hälfte des Konzerts überlässt sie dem Institut „europa-direkt“ die Bühne für einen Werbeblock, das sich besonders für die Förderung des interkulturellen Austausches einsetzt.

Hört man auch bei ihren Chanson-Texten näher hin, fällt auf, dass sie immer wieder für mehr Freiheit, Akzeptanz und Respekt in unserer Welt plädiert – es scheint eine Herzensangelegenheit der Künstlerin zu sein.

Abgesehen von der phänomenalen Atmosphäre war der Abend auch ein musikalischer Erfolg. Die Musikerin singt nicht genauso wie auf der CD. Nein, live ist ihre unverkennbare Stimme noch kraftvoller, noch einnehmender. Das einzige, das den Konzertabend von den Studioaufnahmen unterscheidet, sind die dann und wann fehlende Querflöte, Klarinette oder Trompete. Das gilt zumindest für die jazzigeren Stücke ihres Repertoires.

Es ist die Unverbrauchtheit der Musik und ihre markante Stimme, die das breite Publikum immer wieder anziehen. Die Altersverteilung der Lauschenden ist weit gestreut, Jung und Alt sind gleichermaßen vertreten. Anders, als man erwarten könnte, handelt es sich dabei nicht nur um ehemalige Teilnehmende von Austauschprogrammen (so wie ich), Französisch-Lehrkräfte oder die, die es einmal werden wollen. Eigentlich können erstaunlich wenige Fans die Liedtexte an diesem Abend verstehen. Dies geht aus meiner direkt nach dem Konzert gestarteten Befragung hervor. Meine gestellte Frage: „Sprechen oder verstehen Sie Französisch?“

Von den insgesamt 65 Befragten geben 39 Leute (60%) an, dass sie überhaupt keine Sprachkenntnisse besitzen. 18 Besucher (rund 28%) sagen „ein bisschen“, stufen sich also irgendwo zwischen Schulfranzösisch und dem einfachen Vokabular von la baguette bis merci ein und nur 8 Befragte (rund 12%) antworten, mit Ja. Unter den interviewten Personen befindet sich nicht eine Französisch-Lehrkraft.

Für mich ist es insgesamt jedenfalls ein ziemlich überraschendes Resultat, andererseits erklärt das, warum sich viele beim Mitsingen der Hits mit „lalala“ behelfen müssen. Die meisten Zuschauenden meinen, dass sie vor allem wegen des angenehmen Klangs der französischen Texte und der ausgefeilten Interpretationen kommen.

Das zeigt einmal mehr, dass Musik keine Sprache kennt und eine völlig andere Art der Verständigung ermöglicht. ZAZ scheint dafür ein besonderes Talent zu haben, weshalb die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Dresden groß ist.

Link zur offiziellen Homepage von ZAZ: https://www.zazofficial.com/

4 Kommentare

  1. Wie schön, dass es dir gefallen hat! Ich habe Zaz noch nie bewusst wahrgenommen, obwohl ihre Musik natürlich ganz wunderbar ist. 🙂 Aber eins interessiert mich noch – welche unserer Französischlehrerinnen hast du dort ausfindig gemacht? 😉

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