The world is full of light

Voller Freude und Licht ist auch das West-Side-Story-Gastspiel der Opera Australia an der Dresdner Semperoper. Dennoch bleiben am Ende Schmerz und Dunkelheit.

Ohne Frage ist das Musical ein Broadwayklassiker, das seinesgleichen sucht. Das Meisterwerk von Leonard Bernstein transportiert Shakespeares „Romeo und Julia“ in die Neuzeit. Romantik, Gewalt und Tragik liegen dicht beieinander. Die Charaktere sind von zahlreichen inneren und äußeren Konflikten geplagte Jugendliche, die sich in ihrer Ausweglosigkeit im Großstadtghetto in Straßenkämpfe flüchten. Den möglichen Konsequenzen wollen oder können sie sich anfangs nicht bewusst sein. Leider ein zeitloses Thema. Nicht ohne Grund sind die renommiertesten jährlich in New York stattfindenden Preisverleihungen in der Musicalszene, die Tony-Awards, nach der Hauptfigur des Stücks benannt.

Das Musical beginnt scheinbar völlig unbeschwert, als die rivalisierenden Straßenbanden ihre erste Tanzeinlage auf die Dresdner Semperopernbühne bringen. Wahnsinnig kraftvoll und gleichzeitig federleicht wirken die Sprünge der Beteiligten, deren Tanzkünste vom Anfang bis zum Ende der Vorstellung beeindrucken. Die Besonderheit dieser Inszenierung ist zudem, dass die Choreografien Jerome Robbins‘ Konzeption zur Erstaufführung 1957 entsprechen. Das ist aktuell weltweit einmalig.

Der berühmte Jets-Sprung ist aus dem Musical nicht wegzudenken. (Foto: Jeff Busby)

Einmalig ist auch das von Todd Jacobsson mit viel Ausdrucksstärke in den Tiefen und geradezu flirrenden Obertönen in den Höhen dargebotene Liebeslied „Maria“. Die junge Puerto-Ricanerin wird in dieser Produktion von Sophie Salvesani verkörpert, die mit viel gesanglichem und schauspielerischen Talent das Publikum die bedingungslose Liebe zu ihrem Tony mitfühlen lässt. Entsprechend emotional ist der Moment, in dem Tony in den Armen seiner Maria stirbt. Gerade haben die beiden noch euphorisch „Tonight“ gesungen und in „One Hand, one Heart“ und „Somewhere“ von einer gemeinsamen Zukunft geträumt, da fällt der Schuss auch schon. Selbst, wenn man sich natürlich vorher über den Ausgang der Geschichte bewusst ist, bleibt es der Schreckensmoment des Abends. Ein letztes Mal singt bzw. schluchzt Maria „Somewhere“ – das Hoffnungs- und Symbollied des Musicals. Geschockt versammeln sich die Jets und die Sharks um das Liebespaar, Maria macht Anstalten, sich selbst umzubringen. Stattdessen endet der Abend aber mit Marias Appell an die Moral der Menschen, die der Zuschauer mit einbegriffen.

So schön hätte ein glückliches Ende ausgesehen. (Foto: Jeff Busby)

Bis zum 4. August gastiert sie noch an der Dresdner Semperoper, die australische West-Side-Story-Produktion. Wer jetzt spontan Lust hat, sich noch eine Vorstellung anzusehen, müsste noch Restkarten bekommen können.

Ort: Semperoper Dresden
Impressionen und Tickets ab 71,90€ unter https://www.semperoper.de/en/whats-on/schedule/stid/west-side-story/61416.html

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