Sie schwebte über das Sankt Petersburger Parkett: Sophie Uhlmann im Interview

Der Dresdner Semperopernball ist für viele eins der jährlichen Highlights unserer Stadt. Jedes Jahr fand er zunächst zwischen 1925 bis 1939 statt und ist nun seit 2006 aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken.

Umso mehr wird es die Semperopernballfans gefreut haben, dass dessen Leiter, Hans-Joachim Frey die Idee hatte, das Ganze 2019 gleich zweimal stattfinden zu lassen. Mit dieser Premiere nicht genug: Die legendäre Dankesgala feierte erstmalig auch noch ihr Debüt in unserer Partnerstadt Sankt Petersburg. Der vom aus Dohna stammenden „Game of Thrones“-Star Tom Wlaschiha und dem russischen TV-Sternchen Oxana Fedorova moderierte Ball stand ganz im Zeichen „kultureller Brücken“ und sollte entsprechend symbolträchtig werden.

Wer am vergangenen Samstag, dem 30. August, bei der Fernsehübertragung des mdr gut aufgepasst hat, dem sind sicherlich auch die Dresdner Debütanten nicht entgangen. Mit einer eleganten Choreografie vom bekannten Dresdner Tanzehepaar Lax sind sie im Michailowskitheater unserer Partnerstadt aufgetreten und haben das Publikum verzaubert.

Sophie Uhlmann mit ihrem Tanzpartner Marc Hörnig

Die Ehre, bei der Formation in der ersten Reihe zu stehen, hatte dabei unter anderem die 19-jährige Sophie Uhlmann mit ihrem Tanzpartner Marc Hörnig. Sie tanzen bereits seit ihrer Kindheit bei der Tanzschule Lax und haben schon die Landesmeisterschaft gewonnen, sind dreifache Vizelandesmeister, haben beim Blauen Band in Berlin den achten Platz von insgesamt 82 Paaren belegt und tanzen im Standardtanz in der zweithöchsten Leistungsklasse und streben diese nun auch im Latein an.

Trotz dieser zahlreichen Turniererfolge war der Dresdner Opernball für Sophie noch einmal ein ganz neues Erlebnis. Warum genau das so war, erzählt sie im Interview.

Zuallererst: Lief alles glatt am Samstagabend?

Abgesehen von ein paar Stressmomenten direkt vor dem Auftritt hat alles reibungslos funktioniert. Teilweise mussten vorher nämlich noch in der verwinkelten Umkleide unter dem Orchestergraben ein paar Näharbeiten getätigt und die Frisuren aufgefrischt werden.

Beim Auftritt selbst hat alles gut geklappt. Besonders die Musik war einwandfrei. Im Vorfeld hatten wir bereits zu dem Stück geprobt. Das war aber natürlich nur eine Aufnahme. Logischerweise gibt es bei der Live-Version dann Momente, wo zum Beispiel das Tempo leicht abweicht. Das war aber wirklich so minimal, dass man sich darauf gut einstellen konnte. Die anderen Debütanten konnten aus Sempernballerfahrung sagen, dass es in Dresden bisher selten bereits bei der ersten Probe so gut geklappt hat.

Zum Auftritt war zwar nicht alles ganz perfekt, das hat man als Außenstehender und bei den Aufnahmen im Fernsehen aber gar nicht gesehen.

Wie sah es mit der Nervosität aus?

Das ging erstaunlicherweise. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man das als Turniertänzer gewohnt ist. So richtig Angst, dass irgendwas nicht klappen könnte, hatte ich auch nicht. Die Proben liefen eigentlich immer gut bei uns und bei den anderen auch.

In dem Moment, wo man vorläuft, ist es oft erst mal komisch. Sind die ersten zehn, fünfzehn Sekunden aber vergangen, ist man voller Freude. Hinzu kam, dass wir sowieso eine lustige Truppe waren, wo alle miteinander konnten. Da hat man sich auch insgesamt wohlgefühlt.

Das ist verständlich, die Freude hat man euch auch angesehen. Wie viele Proben hattet ihr dafür?

In Dresden hatten wir Anfang des Sommers ein ganzes Wochenende, wo die Choreografie direkt am ersten Tag entstanden ist und wir diese durchgegangen sind. Am zweiten Tag haben wir die Folgen geübt und mit den ersten Feinheiten begonnen.

Ein Wochenende vor dem Ball hatten wir noch eine letzte Probe, wo wirklich die Details besprochen wurden. Das betrifft zum Beispiel die Hände und die Ausrichtungen.

In Sankt Petersburg sind wir am Donnerstag angekommen und hatten abends eine Probe im Konferenzraum. Dabei waren wir größtenteils auf uns allein gestellt, weil Sabine und Tassilo Lax gerade mit den russischen Kadetten geprobt haben. Wir haben aber noch mal an der Ausrichtung gefeilt und Sachen wie zum Beispiel den Aufgang wiederholt.

Am darauffolgenden Tag, dem Freitag, hatten wir mittags eine Probe im Michailowskyiheater im Trainingsoutfit, abends auch noch mal. Zu diesem Zeitpunkt mit erschwerten Bedingungen, weil der Boden noch mit einer Schutzfolie abgedeckt war, wo wir mit unseren Absatzschuhen dauernd hängen geblieben sind.

Am Samstag Mittag, nachdem Haare und Schminke fertig waren, hatten wir noch eine Generalprobe im Kostüm.

Da war bestimmt kaum eine Gelegenheit, sich in unserer Partnerstadt umzusehen.

Doch, wir hatten durchaus auch dazu Zeit. Als wir ankamen, wurden wir von einem Bus abgeholt und haben gleich eine Mini-Stadtrundfahrt bekommen. Uns wurden ein paar Infos zu Sankt Petersburg, seinen Sehenswürdigkeiten und zur russischen Mentalität gegeben.

Auch zwischen den Proben hatten wir mehrfach Zeit, uns verschiedene Dinge anzuschauen. Wir waren zum Beispiel an der Newa spazieren, wo es wirklich schön war. Teilweise kommst du dir vor, wie in Venedig. Das ist zwar großräumiger, aber dieser gewisse Flair besteht schon. Dann waren wir natürlich noch im Hardrock-Café und wir Mädels waren auch mal Shoppen. Besonders eindrucksvoll fand ich die U-Bahn, die 100 Meter in die Tiefe geht und damit eine der tiefsten Metros der Welt ist. Über ewig lange Rolltreppen geht es auf und ab – das ist wirklich beeindruckend gebaut.

Auch am Auftrittstag hatten wir noch einmal die Gelegenheit, in die Stadt zu gehen. Wir wurden morgens bereits von der Estel Academy geschminkt und frisiert, es gab noch eine Probe und dann hatten wir Zeit bis zum Auftritt. Die habe ich genutzt, um mit einer Freundin einmal im kompletten Styling, abgesehen vom Kleid, durch St. Petersburg zu laufen. Das war lustig, weil sich die Leute immer wieder umgedreht haben. Wenn man dort einen anderen Kleidungsstil hat, wird man nicht so angeschaut, wie hier, weil die Leute offener sind. Allerdings sahen unsere Haare und Make-up eben wirklich fast identisch aus. Besonders witzig war es, damit Metro zu fahren.

Insgesamt haben wir vielleicht zwar nicht die typischen Sehenswürdigkeiten gesehen, aber wir waren ja vor allem zum Tanzen da.

Das Ziel des Opernballs war es, „Brücken zwischen den Kulturen“ zu bauen. Hattest du während des Festes tatsächlich engeren Kontakt zu russischen Gästen, den anderen Debütanten zum Beispiel?

Nach unserem Auftritt im Michailowskitheater sind wir gemeinsam in die Philharmonie umgezogen, wo der eigentliche Ball war. Anfangs war dort eine Mischung aus klassischer Musik, die gut für die Standardtänze geeignet war und dann wurde es immer lockerer. Als dann Dschingis Kahn kam und wir typisch Deutsch zu „Moskau“ getanzt haben, kannten die russischen Gäste diese Choreo nicht. Wir Deutschen standen also im Kreis und haben die Beine hochgeworfen. Dann kamen aber wirklich immer mehr Russen dazu und fragten mich, ob sie mit in den Kreis könnten. Dieser wurde echt riesengroß und dann bildeten sich auch noch weitere Runden, da haben sie schon wirklich mitgemacht! Später gab es einen typisch russischen Tanz, der uns auch beigebracht wurde.

Die Kadetten durften aber nicht länger bleiben, weil bei ihnen alles ziemlich streng getaktet war. Gerade vor dem Auftritt hat man bemerkt, wie sehr sie sich gefreut haben, auch mal rauszukommen und überhaupt mit Mädchen zu tanzen. Trotzdem haben sie ihren Status im Dienste des Militärs wirklich mit Freude und Selbstbewusstsein verkörpert. Als sie auf die Fläche gegangen sind, waren sie stolz ohne Ende und durchaus sehr nationalbewusst.

Die Mädels von der Kunsthochschule waren den ganzen Abend da und haben auch neben uns getanzt, das war alles sehr locker.

Und jetzt bist du seit Sonntag wieder in Dresden. Wie bist du hier denn überhaupt zum Tanzen gekommen?

In der Kindergartenzeit habe ich zu Weihnachten einen Schnupperkurs von meinen Großeltern geschenkt bekommen. Ich bin natürlich erst mal zum Kindertanzen gegangen, das aber schon auf Gesellschaftstänze getrimmt war. Dann hatte ich mehrere Partnerwechsel, habe auch irgendwann bei den Gruppentrainings der Größeren, die schon bei Turnieren getanzt haben, mitgemacht. Aber zum eigentlichen Turniertanzen bin ich erst durch Marc, meinen jetzigen Tanzpartner gekommen. Er hat das schon eine Weile gemacht und außerdem waren unsere Eltern befreundet. Mit ihm tanze ich inzwischen seit acht, neun Jahren zusammen.

Was machst du eigentlich, wenn du gerade nicht auf der Tanzfläche stehst?

Uni, Familie, Freunde treffen, also nichts spektakuläres. Ich investiere viel Zeit in mein Hobby.

Und abschließend ein Ausblick auf nächstes Jahr: Ist bei den Opernbällen 2020 auch wieder mit euch zu rechnen?

Marc wird in Dresden sicherlich dabei sein, ich überlege noch. Für Sankt Petersburg wissen wir noch nicht, ob es wieder Debütanten geben wird, aber wenn ja, auf alle Fälle!

Wen nun das Ballfieber gepackt hat und beim Dresdner Semperopernball 2020 mit dabei sein möchte und auch über das dafür nötige Kleingeld verfügt, kann unter https://semperopernball-tickets.de/de/karten.html Karten erwerben

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