Kraftwerk nimmt Kulturproduktion wieder auf

Mit einem liebevoll organisierten Fest begrüßte das Areal Kraftwerk Mitte seine Besucher gestern zur neuen Saison.

Die Gäste wurden mit einem bunten Programm empfangen, das voller Hingabe und mit viel Liebe zum Detail gestaltet war. Einladend flatterten in der Theatergasse die golden schimmernden Girlanden. Auch der Schriftzug „Showtime“ auf einem goldenen Banner war kaum zu übersehen. Es ist das Motto der kommenden Spielzeit der Staatsoperette Dresden, die sich fortan unter der Intendanz von Kathrin Kondaurow befindet. Das goldene Farbkonzept setzte sie nicht nur im Außenbereich des Theaters um, sondern sorgte auch im Kranfoyer für die entsprechend schillernden Akzente. „Ich dachte, ein bisschen Gemütlichkeit und mehr Sitzmöglichkeiten würden der Atmosphäre gut tun.“ sagte sie gestern. Es war das erste größere Fest der Staatsoperette unter ihrer Leitung. Sicherlich wird sie dem gestrigen Tag nicht ohne Nervosität entgegengeblickt haben. Schließlich stand am Abend auch die erste Premiere an: „Hier und Jetzt und Himmelblau“ – ein Auftragswerk der Staatsoperette unter der Regie von Jan Neumann. Die Dramaturgie wurde von der Intendantin selbst übernommen.

Zudem gab es in den letzten Monaten eine recht heftige Debatte um ihre Berechtigung als Nachfolgerin Wolfgang Schallers. Dabei kann sie durchaus auf eine erfolgreiche Zeit in der Leitungsrunde zur Spielplangestaltung und Ensemblebildung am Deutschen Nationaltheater Weimar zurückblicken. Dennoch werden sich einige Dresdner etwas vor den Kopf gestoßen gefühlt haben, nachdem sie das bewährte aber erst neulich modernisierte Logo des Hauses kurzerhand durch ein anderes ersetzt hat. Auch einige Publikumsmagnete wie Olivia Délauré und Jannik Harneit haben die Staatsoperette nun erstmal verlassen.

Dennoch war die Stimmung der gestrigen Kraftwerksbesucher gut, besonders die von Nina Kemptner dargebotene Luftakrobatik versetzte die Menschen ins Staunen. Beim Format „Late Night Mitte“ konnte man mehr über die neue Intendantin und den Regisseur des Premierenstückes erfahren. Außerdem luden die Sänger Christian Grygas und Marcus Günzel begleitet von Eve Riina Rannik am Piano zu einer fabelhaften Reise zum Broadway ein. Besonders spannend war aber auch der spätere Soloauftritt von Christian Grygas, bei dem er Musicalsongs interpretierte, die sonst eigentlich nur den weiblichen Rollen vorbehalten sind.

Auch das TJG trug mit einer Bühnenshow und Puppentheater zur Vielfalt des Programms bei. Nicht zu vergessen sind ebenfalls das Dresdner Energie-Museum, die Hochschule für Musik und das Heinrich-Schütz-Konservatorium, die ihren Teil beisteuerten. Letztlich waren es aber auch die Kleinigkeiten, die den Reiz der Einweihungsfete ausmachten: Postkarten und ein dazugehöriger Briefkasten (für dessen Post das Porto von der Staatsoperette übernommen wurde), ein Banner für Grußworte, eine Schnitzeljagd, Kinderschminken, eine Fotoecke, ein Mini-Kurzfilmkino, die einzelnen kleiner ausgelegten Auftritte, die eine gewisse Intimität zuließen, die Bepflanzung und das dekorative Gesamtkonzept.

Entgegen der vielen kritischen Stimmen zur Position Kathrin Kondaurows wurde ein wirklich gelungenes Fest auf die Beine gestellt, das trotz der eher durchwachsenen Wetterverhältnisse zahlreiche Besucher*innen angelockt hat. Darunter befanden sich auch viele Familien und jüngere Gäste. Mehr Jugendliche für Kultur zu begeistern, ist übrigens auch eine der Prioritäten auf der Agenda Kondaurows. Sie zeigte gestern bei diversen Programmpunkten der Operette Präsenz, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Ein ausgezeichneter Start also in die Spielzeit 2019/-20. Vorhang auf und Bühne frei, jetzt ist „Showtime“!

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